Fliehen, angreifen? Stehen!
Unalltägliche Alltagsgeschichten
hs. Es gibt - nach allgemeiner Auffassung - zwei Möglichkeiten, mit einer bedrohlichen Situation, also mit Angst, umzugehen: Flucht oder Angriff. Esel bevorzugen eine dritte Strategie: Sie bleiben einfach stehen. Das sehen viele Menschen als Beleg dafür, dass diese Tiere nicht gerade zu den intelligentesten, aber dafür zu den stursten Zeitgenossen gehören. Fachleute haben eine ganz andere Erklärung: Esel sind erheblich klüger als ihr Ruf. Ihre Verwandten, die Pferde, stammen nämlich aus der Steppe. Da lohnt es sich, bei Gefahr schnell wegzurennen. Die ursprüngliche Heimat der Esel hingegen ist die steinige Wüste mit Geröllhalden und Sanddünen. Wer hier Hals über Kopf abhaut, kann sich schnell alle Knochen brechen. Deswegen bleiben Esel stehen. Sie warten erst einmal ab, ob sich die Lage entspannt oder ob sie kämpfen müssen, notfalls auch gegen Raubtiere.
Und genau so machte es vor vielen Jahren auf einer Stuttgarter Jugendfarm ein Esel, den man in einen Pferdeanhänger führen wollte. Er stand davor wie festgewachsen. Doch die Bereichsleiterin wusste sich zu helfen. Sie holte vier Mitarbeiter. Jeder von ihnen ergriff ein Bein. Gemeinsam trugen sie den Esel in den Hänger und stellten ihn ab. Dort ließ er sich dann in stoischer Ruhe zu einer anderen Jugendfarm chauffieren.
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Johannes Mack, Wohnberatung VdK Kreisverband Ulm













