Der Bauer als Wettermacher
Ein Märchen nach Anton Birlinger: Sagen, Märchen und Aberglauben
Es war einmal ein Bauer, der lebte in einem kleinen Dorf, umgeben von weiten Feldern, sanften Hügeln und zahlreichen Streuobstwiesen. Johann hieß er, er war ein fleißiger Mann, der seine Felder mit Sorgfalt und Hingabe bewirtschaftete. Doch eines war ihm ein ständiger Dorn im Auge: das Wetter. Es schien ihm, als ob das Wetter niemals genau das tat, was er sich wünschte. Wenn er Regen brauchte, schien die Sonne. Wenn die Sonne scheinen sollte, regnete es in Strömen.
Jeden Tag blickte Johann besorgt zum Himmel und seufzte: „Wenn ich doch nur das Wetter bestimmen könnte, dann würde alles perfekt wachsen.“ Diese Gedanken gingen ihm lange Zeit durch den Kopf, bis er schließlich beschloss, seinen Wunsch vor Gott zu bringen. Mit inniger Überzeugung betete er: „Lieber Gott, gib mir die Gnade, ein Jahr lang das Wetter bestimmen zu dürfen. Ich weiß, was meine Felder brauchen.“
Aber nichts geschah. So sehr sich Johann Sonne wünschte so sehr regnete es, und wenn er sich Regen wünschte brannte die Sonne. Doch Johann gab nicht auf, Tag für Tag bat er Gott um die Gnade das Wetter bestimmen zu können, ja schließlich forderte er Gott sogar heraus.
Gott, sah Johanns Eifer und er hörte auch wie Johann es bei keiner Gelegenheit ausließ jedem zu sagen, dass er viel besser wisse was seine Felder bräuchten als der Herr im Himmel. Und so beschloss Gott schließlich, ihm diese außergewöhnliche Bitte zu gewähren. „Gut, Johann“, sprach Gott zu ihm, „wenn du meinst es besser machen zu können, so sollst du ein Jahr lang das Wetter nach deinem Gutdünken bestimmen dürfen.“
Voller Freude und Tatendrang machte sich Johann sofort daran, seine neuen Kräfte zu nutzen. Die Sonne schien, wann immer er es wünschte, und der Regen fiel, wenn er es für notwendig hielt. Johann sorgte dafür, dass seine Felder nie zu trocken oder zu nass waren. Er war überzeugt, dass dies die beste Ernte aller Zeiten werden würde. Er beobachtete seine Felder täglich und freute sich über das üppige Grün der Pflanzen, die unter seiner Wetterregie gediehen.
Die Monate vergingen, und das Jahr neigte sich dem Ende zu. Johann hatte immer wieder abwechselnd Regen und Sonnenschein herbeigerufen und war zufrieden mit dem Wachstum seiner Pflanzen. Als die Erntezeit kam, war er voller Vorfreude. Er schnitt das Getreide und brachte es in die Scheune, um es zu dreschen. Doch als er die Körner prüfte, erstarrte er vor Entsetzen: Die Körner waren alle taub, leer und enthielten keinen Mehlstoff.
Mit schwerem Herzen ging Johann erneut vor Gott und klagte: „Lieber Gott, ich verstehe es nicht. Ich habe doch alles getan, was nötig war – Regen, Sonnenschein, alles, was die Pflanzen brauchen. Warum ist meine Ernte so schlecht ausgefallen?“ Gott antwortete ihm sanft: „Johann, du hast nur um Regen und Sonnenschein gebeten, aber niemals um Wind. Der Wind ist genauso wichtig, weil er die Pflanzen stärkt und ihnen hilft, zu gedeihen. Ohne den Wind bleiben sie schwach und ihre Körner taub.“
Johann erkannte seinen Fehler und die Weisheit Gottes. Er sah ein, dass sein Wissen begrenzt ist und dass er nicht alle Aspekte des Wachstums verstehen konnte. So entschied er, das Wettermachen wieder dem lieben Gott zu überlassen, der die Dinge in ihrer Gesamtheit besser wusste als er selbst.
Von diesem Tag an nahm Johann das Wetter, wie es kam, und kümmerte sich mit noch größerer Hingabe um seine Felder. Er lernte, in jeder Wetterlage das Beste zu sehen und darauf zu vertrauen, dass alles seinen richtigen Platz und seine richtige Zeit hatte.
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Johannes Mack, Wohnberatung VdK Kreisverband Ulm












