Ausgabe vom 06. Juli 2019 - Expertenrat

Auf dem Motorrad die Mitarbeiter besser verstehen

Ralf Waidner, Einrichtungsleiter vom SeniorenWohnen Ludwigsfeld, in ungewöhnlicher Mission

Wer Menschen führt, hat es leichter, wenn er sich in sie hineinversetzen kann. Deswegen versucht eine gute Führungskraft, in Gesprächen und durch Beobachtung zu erkunden, was den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern am Herzen liegt. Ralf Waidner - Einrichtungsleiter vom SeniorenWohnen Ludwigsfeld - macht das ebenso. Doch er wählte noch einen ganz anderen Ansatz: Er nahm vom 16. bis zum 25. Mai diesen Jahres Urlaub für eine Motorradtour. Das Reiseziel? Bosnien. Warum? Weil aus dem südosteuropäischen Land ein erheblicher Anteil seiner Mitarbeiter stammen. Er wollte das Umfeld kennenlernen, das die bosnischen Kolleginnen und Kollegen geprägt hatte. Ralf Waidner fuhr nicht alleine, sondern gemeinsam mit zwei weiteren Leitern von Senioreneinrichtungen der Sozialservice-Gesellschaft des Bayrischen Roten Kreuzes (SSG). Auf der privaten Tour im dienstlichen Interesse haben die drei Biker einiges erlebt.

Grüne Oase
hs. Am zweiten Tag erreichten die Gruppe Bosnien. Das ist der nördliche und überwiegende Teil des südosteuropäischen Staates Bosnien-Herzegowina. Zu den ersten Anlaufstationen dort gehörte Brnjaci, ein kleines Dorf im Norden. Von ihrer Unterkunft aus sah Ralf Waidner vornehmlich Wiesen, Wald sowie ab und zu ein Haus. Aus diesem Naturidyll stammte die erste Frau eines der Reiseteilnehmer. Sie war an Krebs gestorben, aber ihr Mann hielt den Kontakt zur Familie aufrecht. Hier blieb das Motorrad-Trio drei Tage.

2,50 € pro Schnitt
Auf einer der Touren hielt der Bosnienerfahrenste unter den Dreien einmal plötzlich an. Er stellte sein Motorrad ab und stürmte in einen kleinen, rund 12 Quadratmeter Friseurladen mit nur einem Stuhl, einem Sofa und einem kleinen Beistelltisch samt Aschenbecher. „Hier lasse ich mir immer die Haare schneiden“. Er und seine Begleiter wurden freundlichst begrüßt und bestens bedient für 2,50 € pro Haarschnitt. Nur Ralf Waidner verzichtete dankend. Denn von seiner Haarpracht sieht man eigentlich immer gleich viel, egal, ob er den Motorradhelm auf hat oder nicht.

Pflegeplatz für 400 €
Die reisenden Einrichtungsleiter befragten - wie sollte es anders sein - die Ortsansässigen zu den hiesigen Senioreneinrichtungen: Für einen Pflegeplatz bezahlt der Bewohner rund 400 € im Monat. Von diesem niedrigen Satz kann ein deutscher Senior nur träumen - bis er erfährt, wie hoch das durchschnittliche Monatseinkommen in Bosnien-Herzegowina ist: knapp 400 €. Dabei müssen die Angehörigen des bosnischen Pflegeheimbewohners seine Wäsche waschen, das Zimmer reinigen etc. So sah Ralf Waidner in Bosnien recht wenige Senioreneinrichtungen und viele Menschen, die noch in sehr hohem Alter zu Hause leben. Unserer Reisetruppe wurde besonders bewusst, wie zufrieden wir doch mit unserer deutschen Seniorenpflege sein können. Mit dieser und vielen weiteren Erkenntnissen ging es nun in Richtung Süden, zur Hauptstadt Sarajewo.

Schönes Land
Die Motorrad-Gruppe fuhr meist auf kurvenreichen Landstraßen durch eine atemberaubende Landschaft und kleine, oft mittelalterliche Dörfer. Ralf Waidner musste beim Fahren immer wieder darauf achten, dass für die Straße noch genug Aufmerksamkeit blieb.

Sarajewo
In die Hauptstadt Sarajewo kamen die drei Reisenden auf einer in jeder Fahrtrichtung dreispurigen Autobahn. An der Seite sahen sie mal ein hochmodernes BMW-Autohaus und dann gleich eine Ruine, die vom Bosnienkrieg (1992-1996) übriggeblieben war. Noch einige Häuser trugen Spuren der bald ein Vierteljahrhundert zurückliegenden Kämpfe. Andererseits zeigte sich gerade in Sarajewo, dass Bosnien-Herzegowinas Wirtschaft in den letzten Jahren stetig gewachsen ist.

Offene Menschen
Die Menschen, denen unsere Reisetruppe begegnete, wirkten überwiegend zufrieden, freundlich, offen - und lobten Deutschland. Jede Arbeit würde er dort annehmen, erklärte ein 51-jähriger Familienvater: Dann könne er seinen Kindern eine bessere Schulbildung und mehr Zukunftsperspektiven ermöglichen.
Auf einer Aussichtsplattform lernten unsere Drei auch eine Touristengruppe von etwa 25 Chinesen kennen. Die waren restlos begeistert - von den Motorrädern. Jeder saß einmal auf einer der Maschinen, um sich fotografieren zu lassen. Die eigentlichen Maschinenbesitzer sahen dem Treiben freundlich zu und sagten sich: „Das dient alles dem langfristigen Beziehungsaufbau. Vielleicht können wir ja bald Pflegekräfte aus China gewinnen.“

2.700 Kilometer
Nachdem das Trio im Süden Bosniens angelangt war, ging es entlang der kurvenreichen Adriaküste wieder zurück Richtung Deutschland. Dort angekommen, hatte jedes der drei Motorräder rund 2.700 Kilometer mehr auf dem Tacho.

Bei Ralf Waidner dauerte die Tour etwas länger. Denn er fuhr weiter nach Bamberg. Hier fand ein Bowlingturnier statt für die Mitarbeiter der Senioreneinrichtungen der Sozialservice-Gesellschaft. Das Team vom SeniorenWohnen Ludwigsfeld war auch schon angereist - natürlich einschließlich der bosnischen Kolleginnen und Kollegen. Diese staunten über die gut erhaltene Altstadt Bambergs

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