Bilder als "i-Tüpfelchen"
Wie ein Fitnesstrainer und Taekwondo-Meister das SeniorenWohnen Ludwigsfeld verschönert
hs. Über diesen Mitarbeiter - Wohnbereichsleiter Steve Krause - wurde in der Lebensfreude schon berichtet, und zwar vor einem Jahr. Damals baute er den wegen Personalmangel lange leerstehenden Wohnbereich D neu auf. Seitdem leben dort wieder Bewohnerinnen und Bewohner, betreut von Steve Krause und seinem Team. In seiner Freizeit trainiert der Wohnbereichsleiter gerne bei Fitness Varol in der Baumgartenstraße 5 in Neu-Ulm.
Inhaber des Studios ist der 32-jährige Seyfullah Varol. Er betreibt und lehrt auch die koreanische Kampfkunst Taekwondo und trägt darin den Schwarzgurt 4. DAN. Außerdem hat der Familienvater ein Hobby: Malen. Seine Werke stellt er im Fitnessstudio aus. Dabei ist nicht ganz klar, ob er mit der Malerei angefangen hat, um das Studio zu schmücken, oder ob sich dessen Wände mit Kunstwerken füllten, weil er halt so gerne malt.
Erinnerungsecke
Steve Krause sah beim Training die Bilder, und sie gefielen ihm. Da dachte er an eine Gedenkecke in seinem Wohnbereich D. Sie dient zur Erinnerung an verstorbene Bewohner und Bewohnerinnen. Dort liegt ein Trauerbuch aus - mit tröstenden Sprüchen und umrahmt von schöner Dekoration. Was fehlte, war noch ein stimmungsvolles Bild.
Steve Krause fragte seinen Trainer, ob er sich vorstellen könne, für diese Ecke ein Gemälde anzufertigen. Seyfullah Varol sagte zu.
Dem Künstler, der sich alle seine Mal- und Zeichenkenntnisse selbst beigebracht hat, war klar, dass er diesmal anders arbeiten muss als bisher. Denn seine im Fitnessstudio ausgestellten Werke zeigen oft Martialisches - etwa muskelbepackte Figuren und manche Gestalt, der man nicht im Dunkeln begegnen möchte.
Für die Gedenkecke wählte Seyfullah Varol als Motiv eine Friedenstaube und eine Treppe, die zu etwas führt, das man nicht mehr sieht. Gehalten ist das Gemälde in einem geheimnisvollen und beruhigenden bläulichen Grau.
Für sein Werk verlangte der Künstler nichts. Und nun hängt es in der Erinnerungsecke und sendet eine tröstende Botschaft aus.
Sitzecke
Irgendwann fiel Steve Krause ein, dass es in seinem Wohnbereich ja noch eine zweite Ecke gibt: eine Sitzecke mit Sesseln und einem Bücherregal. Sie lädt ein, sich zu unterhalten oder etwas zu lesen. Das kann sich bestimmt noch verbessern, wenn sie passende Bilder hat, erklärte der Wohnbereichsleiter seinem Trainer. Dieser musste nicht lange überzeugt werden und machte sich gleich ans Werk.
Normalerweise entsteht ein Bild so, dass die Leinwand beziehungsweise ihre Halterung - die Staffelei - fest aufgestellt ist und der Pinsel sich frei bewegen kann. Diesmal war es umgekehrt. Die Leinwand lag auf einer drehbaren Scheibe. Seyfullah Varol hielt nun den Pinsel an einer Position und ließ die Scheibe kreisen. Dadurch übertrug sich die Farbe in gleichmäßigen ringförmigen Bahnen auf die Leinwand. Dabei entstanden zunächst nur Halbkreise. Denn für jedes Bild wurden zwei Leinwandhälften erstellt und am Schluss zusammengefügt. Nach dieser Methode schuf der Künstler sowohl ein rotes als auch ein blaues Bild und spendete sie ebenfalls. Nun hängen sie sich in der Lese- und Plauderecke gegenüber und erinnern an einen Sonnenauf- und -untergang. So ermuntern sie dazu, aktiv zu sein oder zu entspannen.
Natürlich können die Bilder - ob in der Gedenk- oder in der Sitzecke - je nach Betrachter unterschiedliche Vorstellungen auslösen. Bestimmt werden sie auch nicht immer beachtet. Doch sie dürften zu spüren sein, als "i-Tüpfelchen"-Beitrag dafür, dass sich die Menschen hier wohlfühlen können.













