Ausgabe vom 14. September 2019 - Besser Leben

Guggul statt WhatsApp

Räuchern, auch eine Art der Kommunikation

Briefe, SMS, Mails, Telefonate... es gibt viele Möglichkeiten, sich auszutauschen. Eine Kommunikationsart besteht schon seit Jahrtausenden, und trotzdem kennen sie die wenigsten von uns: das Räuchern. Was man mit ihm alles bewirken kann, schildert Räucher-Experte Olaf Reichardt vom Ulmer Fachgeschäft Duft und Wärme.

or. Beim Räuchern legen wir Kräuter, Harze oder andere Materialien auf eine glühende Kohle. Die Räucherstoffe beginnen in dem Moment, in dem der Rauch aufsteigt, mit uns eine Art der Kommunikation.

Nase und Kopf frei
Angenommen, wir haben die Nase voll, psychisch und/oder physisch. Dann würde uns ein kleiner Krümel - halbe Größe eines 1 Cent Stückes - vom Kampfer enorm helfen. Kampfer wird aus dem Holz und der Rinde des Kampferbaumes gewonnen. Er macht die Nase frei, die Lunge füllt sich ganz anders mit Luft, die Atmung kann wesentlich tiefer werden. Dies bringt uns mehr innere Ruhe sowie Ausgeglichenheit und verbessert den Bodenkontakt. Das kann die Psyche wieder ein gutes Stück in Balance bringen und somit dem Tag einfach einen runden Abschluss geben. Wichtig dabei ist immer, dass wir das kleine Ritual mit viel Ruhe und Gelassenheit durchführen. Bitte stellen Sie Computer, Smartphone, Handy, Fernseher, Radio und auch die Türklingel aus, damit wirklich Ruhe herrscht. Achtung: Bei geschlossenem Fenster bitte den Rauchmelder ausschalten.

Nachrichten versenden
Räuchern erlaubt auch eine ganz andere Art der Kommunikation: Nachrichten zu verschicken an jemanden, den man kennt und mit dem man gerne mal wieder Kontakt hätte, ohne ihn gleich mit einer WhatsApp zu überfallen.

Kontakt herstellen
or. Sie möchten wieder Kontakt aufnehmen mit einem Freund, Bekannten oder Verwandten? Sie wollen ihn (oder sie) aber nicht gleich anrufen, anmailen oder mit einer WhatsApp aufschrecken? Dann kommunizieren Sie über das Räuchern mit ihm. Hierbei geht es um Austausch auf einer sehr feinen, subtilen Ebene. Unter Umständen müssen Sie das Ritual zwei- bis dreimal in wöchentlichem Abstand wiederholen, um „durchzukommen“.

Sie machen einfach folgendes: Als erstes für Ruhe sorgen, dann ein Fenster öffnen und die Zimmertüre schließen. Sie nehmen sich einen Stuhl und platzieren ihn in der Nähe des Fensters so, dass sie hinaussehen können. Sie sollten aber - wenn möglich - nicht den Straßenverkehr im Blick haben, da er zu sehr ablenken würde. Nun stellen Sie Ihre Räucherschale mittig unter den Stuhl. Daraufhin legen Sie auf die vollkommen glühende Kohle drei bis vier Granen (knappe Teelöffel) Guggul. Guggul ist das Gummiharz der indischen Myrrhe. Anschließend setzen sich auf den Stuhl. Jetzt richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf die Person, mit der Sie in Kontakt treten wollen. Stellen Sie sich denjenigen bildlich vor und denken intensiv an die Person. Dabei „starren“ (hohler Blick) Sie einfach aus dem Fenster, ohne etwas zu fixieren. Versuchen Sie, das Bild ungefähr zehn Minuten aufrecht zu erhalten!

Dann machen Sie eine kleine Entspannungsübung: Sie stellen sich aufrecht hin, legen die Hände übereinander aufs Schambein und atmen dreimal mal übers Schambein in die Hände. Das heißt, Sie lenken beim Einatmen Ihre Aufmerksamkeit auf das Schambein und beim Ausatmen auf Ihre Hände. Noch effektiver ist es, zum Steißbein hin zu atmen, sich also beim Ausatmen auf das Steißbein zu konzentrieren. Aber das braucht einiges mehr an Übung.

Sie werden normalerweise in den nächsten drei bis sieben Tagen etwas hören oder zu hören bekommen von der Person, welche Sie mittels Rauch um Kontakt gebeten haben.
Das Ganze funktioniert nur, wenn es im positiven Lebenssinne stattfindet, wenn Sie also dem anderen und sich Gutes wünschen.

Besser schlafen
Sollten Sie Schlafprobleme haben, können Sie auch räuchern: Sie bereiten Ihr Räuchergefäß vor und platzieren es in Nähe der Türe im Schlafzimmer. Nun stellen sie Ihr Fenster gekippt, streuen einen Teelöffel Lavendel auf die Räucherkohle, gehen raus dem Schlafzimmer und schließen die Türe. Sie waschen sich, putzen die Zähne und gehen danach wieder ins Schlafzimmer. Nun nehmen Sie das Räuchergefäß und stellen es circa ein bis anderthalb  Meter entfernt vom Kopfende Ihres Bettes auf den Boden. Anschließend geben Sie einen halben Teelöffel Traumkraut auf die Kohle. Dann legen Sie sich ins Bett, machen drei tiefe Atemzüge und lassen nochmals die „schönen“ Dinge des Tages Revue passieren. Sie werden wunderbar träumen.

So räuchern Sie
Geben Sie in eine feuerfeste Schale genügend Sand. Nehmen Sie mit Hilfe einer Räucherzange oder Pinzette eine Kohletablette aus der Verpackung. Sie zünden nun die Kohle an einer Seite an, legen sie in das Sandbett und lassen sie in Ruhe durchglühen, bis sie vollständig mit einer weißen Ascheschicht bedeckt ist.

Falls sich die Kohle nicht anzünden lässt, so hat sie unter Umständen Wasser aus der Luft gezogen. Legen Sie die Kohle in die Sonne oder auf die Heizung.

Auf die glühende Kohle geben Sie mit einem kleinen Löffel die Räucherung, also beispielsweise das Kraut. Größeres Rauchwerk zerstoßen Sie vorher mit einem Mörser. Sie können beliebig oft nachlegen.
Olaf Reichardt von Duft & Wärme erklärt Ihnen gerne mehr zum Räuchern als einer uralten Form, mit sich und seiner Umgebung im Ausgleich zu leben.

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