Die zerlumpte Hose
Unalltägliche Alltagsgeschichten
hs. Früher hatte selbst Württemberg ein Königshaus. Sein letzter König, Wilhelm II., lebte von 1848 bis 1921 und regierte von 1891 bis 1918. Er galt als bescheiden und volksnah. Deswegen war er im Land sehr beliebt.
Anscheinend zu Recht, wie vor Kurzem ein Herr aus dem Hessischen der Lebensfreude erzählte. Der Mann kannte den König natürlich nicht persönlich, aber sein 1907 geborener Vater. Dieser wuchs als Sohn des königlichen Schumachers in der Nähe der Landeshauptstadt Stuttgart auf, nämlich in Bad Cannstatt. Von dort betrieb der Junge sozusagen einen Kurierdienst ins königliche Haus: Reparaturbedürftige Schuhe abholen, in die Werkstatt bringen, sie nach der Reparatur wieder zurück befördern und sich anschließend auf den Heimweg machen.
Das Ganze geschah zu Fuß, denn mit der Bahn zu fahren, kostete ja Geld. Der Junge ging die Strecken nicht alleine, sondern nahm noch andere Kinder mit, darunter oft auch einen Freund aus sehr armem Haus.
Der König ließ die Schuhe nicht einfach bei seinem Personal abgeben, sondern nahm sie immer persönlich entgegen. Dabei schenkte er den Kindern einige Pfennige, was damals ein fürstliches Trinkgeld darstellte.
Als einmal der Freund aus armen Hause dabei war, fiel des Königs Blick auf seine Hose. Sie sah ziemlich zerlumpt aus, also ungefähr so, wie es heutzutage modern ist. Doch damals entsprach sie alles anderem als einem Schönheitsideal.
Der König fragte, warum sie so heruntergekommen sei. Der Freund erklärte, dass sein Vater verstorben war und die Mutter nicht genug Geld hatte. Da gab ihm der König 10 Mark mit, für seine Mutter, damit sie ihm eine neue Hose kaufen kann. 10 Mark waren damals ein kleines Vermögen. Und wenn sich der Freund danach mal wieder unter Schar kindlicher Schuhkuriere befand, erhielt er vom König immer extra ein Trinkgeld.
Der König veranlasste, dass er nach seinem Tode nicht in der königlichen Grabkapelle auf dem Württemberg bei Stuttgart-Rotenberg beerdigt wurde. Er wählte stattdessen ein schlichtes Grab in Ludwigsburg.
Das wusste der Schuhmacherssohn anscheinend nicht. Denn er fuhr mit seiner Familie später immer wieder zur Grabkapelle, um den großzügigen König zu besuchen.
„Seelenplätzle“ – ein Ort, der wächst und trägt
Gaby Fischers Treff für alle, die unter Menschen sein wollen
Selbstbestimmt wohnen in betreuter Gemeinschaft
Wie wollen Sie im Alter leben? Wohnpark 3 Mietingen - Tag der offenen Tür am 25. und 26. April 2026
Die Reise zur Sonne
Ein Märchen aus der Slowakei. Gefunden bei Joseph Wenzig: Westslawischer Märchenschatz













